Marquesas

25. Juni 2006, abends ca. 21.20 Uhr Ortszeit. Die Ankerbucht in Fatu Hiva liegt vor uns. Wir sind da!! Zwar 20 Minuten später als per Funk angekündigt, aber immerhin. Uns erwarten bereits die „Luna“, die „Ripple II“ und die „Helene“, die alle ein paar Stunden bzw. einen Tag vor uns eingelaufen sind. Sie hatten für uns die Ankerlichter angemacht und leuchten uns mit ihren Taschenlampen. Es ist stockdunkel. Wir fahren mit Radar in die einfach anzusteuernde Bucht und ankern auf ca. 20 Meter. Groß getestet wird nicht mehr. Es kommt viel Kette raus und in dem Vertrauen, dass wir maximal ins offene Meer abgetrieben werden, schmeissen wir uns in die Kojen.

Am Morgen dann die große Überraschung. Eine tolle Bucht. Steile, grün bewachsene Felsen und am Ende ein kleiner Ort. So hatten wir uns die Südsee vorgestellt. Wir werden nicht enttäuscht. Nach einem gemütlichen Frühstück mit den Resten unserer Bestände geht es an Land. Der Ortspolizist genehmigt uns 3 Tage Aufenthalt. Mit der „Luna“-Crew Bart, Dagmar und Soleil wandern wir nachmittags zum Wasserfall für ein erfrischendes Bad. Brrr, das ist kalt, schätzungsweise ca. 21 Grad. Aber es tut gut. Unser erstes Bad seit Floreana auf Galapagos.

Hier wird nicht eingekauft, sondern getauscht. Die Frau, die frisches Obst anbietet, macht auch gleich klar, was sie gerne hätte: neue Flipflops und T-Shirts. Einkaufsmöglichkeiten sind hier rar. Für wichtige Einkäufe bleibt nur die weite Reise nach Tahiti. Uns mag deshalb die Wertigkeit eines Tauschgeschäfts von einigen T-Shirts, Flipsflops, etc. ungleich vorkommen. Doch die Insulaner hier haben eben nur das Obst. Naja, Steffie verzichtet auf ihr 2. Paar Flipflops, in Tahiti gibt es sicher neue. Bella mustert ihre zu kleinen T-Shirts aus und alle sind glücklich. Wir schleppen 2 riesen Pomelos, einige Orangen und viele Zitronen zum Boot zurück und freuen uns über die frischen Vitamine. Als jedoch der Familienvater noch 10 m Leinen möchte, da verneinen wir doch.

Zusammen mit Dagmar und Soleil von der „Luna“ wandert der weibl. Teil der Verena-Crew plus Kilian auf den nahegelegenen Berg, auf dem ein Gipfelkreuz lockt. Nach über 1 Std. Aufstieg belohnt uns der Blick nach unten. Die erhoffte Brotzeit am Kreuz muss ausbleiben, es führt kein Weg hin. Also geht es wieder hinunter.

Gemeinsam mit der „Luna“ segeln wir am Donnerstag auf Empfehlung der „Noa“ nach Tahuata. Grillen am Strand ist angesagt. Das entsprechende Grillgut müssen wir uns angeln. Wir freuen uns schon, als ein kleiner Tuna beisst. So kann es weitergehen. Die Beissfreudigkeit der Fische hält auch an. Nur sind sie so groß, dass sowohl der Köder wie auch einmal die gesamte Leine bis zum Ende der Rolle samt Beute wieder im Meer verschwinden. Die Luna-Crew hatte mehr Glück und fischte einen großen Wahoo, womit sie die ganze Ankerbucht versorgten. Für uns zum Grillen hat es auch noch gut gereicht. Das hier ist eine Traumbucht, unbewohnt, weißer Strand und dahinter ein Kokoswald. Ist das das Paradies? Für kurze Zeit bestimmt.

Irgendwann müssen wir aber doch zum Einklarieren. Immerhin sind wir noch nicht offiziell gemeldet. Also auf nach Hiva Oa, das nur wenige Seemeilen von Tahuata entfernt ist. Als wir den Anker lichten, schreit Steffie plötzlich laut: Stopp. Eine riesen Koralle hängt untrennbar am Ankergeschirr. Jetzt erklärt sich auch, warum wir heute nacht leicht gedriftet sind. Das Ding ist wohl abgebrochen und mit der „Verena“ am anderen Ende langsam über den Boden geslippt. Alfred holt den Vorschlaghammer. Anders ist dem Brocken nicht beizukommen. Ein Manta-Rochen sieht interessiert zu.

In Hiva Oa gefällt uns der Ankerplatz gar nicht. Platz ist eigentlich nicht vorhanden, ein Teil des Hafens ist gesperrt für Segler und dahinter wird es schnell flach. Wir legen die Bereichsgrenze etwas großzügiger aus, anders hätten wir nicht ankern können. Bug- und Heckanker müssen raus. Beide halten nicht besonders. In der Bucht treffen wir alte Bekannte wieder: Jean (diesmal ohne Ginette) von der Launans und Betsy und Andrew mit ihrem Trimaran. Judith freut sich, endlich wieder französisch sprechen zu können und zieht mit los zu einem Fest in Hiva Oa. Die Leute sind sehr freundlich und für die 2 Kilometer lange Strecke vom Ankerplatz ins Dorf findet sich immer jemand, der uns mitnimmt. Manche fahren sogar einen Umweg, um uns abzusetzen. Wir sind erstaunt wie sauber hier alles ist. Steffie findet auch endlich ihr ultimatives Souvenir: eine handgeschnitzte Holzschale aus einem berühmten Holzschnitzerdorf in Tahuata, angebl. eine Rarität. Alfred graut schon davor, das 80 cm lange Ding per Flieger nach Deutschland zu schleppen. Mittlerweile hält auch der Anker einigermaßen. Am nächsten Tag stößt die „Luna“ wieder zu uns und die Kinder freuen sich, wieder mit Soleil zu spielen. Judith und Steffie möchten noch unbedingt das Paul Gauguin Museum besuchen und ziehen los. Leider hängen nur Replikate dort, wer die Originale besichtigen will muss z.B. nach Deutschland. Jacques Brels Flugzeug steht ebenfalls noch hier im Hangar zur Besichtigung, die gestrichen wird. Wir wollen heute noch los.

Wir haben uns mittlerweile entschieden, wir wollen am 14. Juli unbedingt in Tahiti sein zum großen Fest anl. des Sturms auf die Bastille. Also trennen wir uns mit leichter Wehmut von den Marquesas. Zuvor verabreden wir uns noch mit Jean, Betsy und Andrew in der altbekannten Bucht in Tahuata und feiern unser Wiedersehen mit einem Abendessen bei uns an Bord. Die Unterhaltung ist wieder einmal ein Mix aus englisch, französisch und spanisch - fehlt ein Wort in der einen Sprache, nimmt man halt die andere. Zwei Tage später geht es von dort wieder einmal los. Über 500 Seemeilen sind es zu den Tuamotus, also schätzungsweise 3 bis 4 Tage Fahrt, nach den über 4000 Seemeilen von Panama nach Marquesas fast ein Kurztrip.

 

 

 

Ein Tiki begrüßt uns am Anleger in Fatu Hiva.

Ankerplatz in Hiva Oa