Tuamotus

8. Juli 2006: Wir waren froh, als die ersten Atolle der Tuamotus zu sehen waren. Am Horizont konnte man mal hier und da ein paar Palmen ausmachen. Endlich vorerst keine Nachtwache mehr. Eigentlich war es im Vergleich zur Pazifiküberquerung ja nur ein kurzer Schlag, aber es hat uns gereicht. Wir sind etwas segelmüde. Während der Überfahrt hat Alfred uns ein Ratespiel aufgegeben: Woher kommt der Name Atoll? Kennt Ihr die Lösung? Ausserdem hatten wir unsere bislang größte Golddorade von gut 1 m gefangen und mit einem Filet gleich Rudis („Uhuru“) Bündnerfleisch- bzw. –fisch-Rezept ausprobiert.

Früher hatten die Tuamotus den Beinahmen „dangerous archipel“, denn die Atolle heben sich kaum von der Wasseroberfläche ab bzw. manche Riffgürtel sind direkt unter der Wasserlinie. Wie auf den San Blas Inseln findet man hier nur Sand, Palmen und türkisblaues Meer. Wir hatten keine Probleme, unser C-Map ist relativ genau. Alfred hat das Timing und den Wechsel zwischen dümpeln und motoren bei wenig Wind so geplant, dass wir tagsüber bei gut stehender Sonne in die Lagune einfahren konnten.

Wir hatten uns auf einen Tipp der „Spirit of Assy“ hin für Toau entschieden. Die relativ breite Einfahrt war für uns Atoll-Anfänger ideal und unser Tiefgang in der Lagune kein Problem. Aber die Strömung war schon beeindruckend. Wie im Whirl-Pool kräuselte sich das Wasser unter der Verena.

Wir bogen rechts ab, weil dort lt. Karte und Revierführer ein Dorf sein sollte. Obwohl die Durchfahrt gut betonnt ist, steigt der Adrenalinspiegel, wenn links und rechts die Korallenköpfe aus der Tiefe aufragen. Ob 2 m oder noch 5 m unterm Kiel sind, konnten wir nicht sagen. Wir vertrautem dem Vorausecholot, Judiths guten Augen und den Seekarten. Schließlich fanden wir einen sicheren Ankerplatz nahe am Ufer, bei dem uns weder Korallenköpfe noch die Tide gefährlich werden konnten.

Das Dorf stellte sich als einsame, verlassene Hütte heraus. Wir fuhren an den Strand, den viele knapp 10 cm große Einsiedlerkrebse und noch größere Strandkrabben besiedelten. Alfred köpfte grüne Kokosnüsse und wir veranstalteten ein Krabbenrennen. Das Rennen hatte einen eindeutigen Sieger: Steffies Einsiedlerkrebs.

Angeblich gibt es in manchen Lagunen angriffsfreudige Haie, konnten wir im Führer lesen. Wir kannten den Status quo in Toau nicht. So erfanden wir das Dinghy-Schnorcheln: Dinghy zum Korallenkopf, alle gleichmäßig verteilen und Nase ins Wasser. Seitenwechsel alle 5 Minuten. Bald wurde Steffie und Kilian schlecht. Aber es hat sich gelohnt. Wir sahen einige bunte Riff-Fische und einen Hai. Vor dem musste man allerdings keine Angst haben, er war noch recht klein. Alfred musste dann aber doch ins Wasser, weil sich der Anker in der Koralle verhakt hatte.

Es waren vier sehr schöne Tage in Toau. Wir lagen völlig allein vor dem Standstrand, weit und breit kein anderes Boot, und genossen die Ruhe. Das Wasser war teilweise so glatt wie auf einem See. 0 Knoten Wind. Leider hatten wir keine Zeit mehr für den Besuch eines anderen Atolls. So geht es am 11. Juli weiter nach Tahiti zur Marina Taina, wo unser Liegeplatz schon auf uns wartet.

Lösung von Alfreds Rätsel:

Atoll: Als die ersten Seefahrer in die Lagunen einfuhren, sagten sie: A(h) toll !!