Tahiti

Nov. 06: Langsam tut sich etwas: Die Segel sollten nächste Woche fertig sein. Doyle liefert uns eine neue Genua, das Großsegel wird repariert. Alfred hat in mühevoller 2tägiger Arbeit die Motorsteuerungsplatine eingebaut und sie funktioniert, die Dieselpumpe geht wieder und div. Kleinigkeiten sind auch behoben. Vielleicht kommen wir nächste Woche los. Aber der eigentliche Event heute: Halloween. Isabell (nicht unsere, sondern die Frau des Marina-Managers) hat für die Kids hier ein Halloween-Fest organisiert. 90% Franzosen und 10% Deutsche (unsere 2) verkleiden sich und laufen von Boot zu Boot. Alle Einwohner hier sind gut präpariert und die Tüten füllen sich. Sogar die Superyachten hier sind spendierfreudig. Das Abendessen fällt heute für die Kinder etwas süss aus. Naja, die gesunden Tage werden wir nachholen. Jedenfalls war es für alle ein Riesenspaß. Für Bella wurd‘s zudem ein Riesenschreck. Sie fasst in ihre Tüte für das „letzte“ Stück Bonbon und was greift sie? Etwas schwarzes, feuchtes...jedenfalls ein komisches Teil. Plötzlich ein Schrei: Eine Krabbe ist in der Tüte. Irgendwie hat sich das Tier eingeschlichen. Es wird natürlich nicht gegessen.

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Okt. 06: Wir sind nach knapp vier Wochen Rundreise durch die Gesellschaftsinseln und einen Ausflug Richtung Suwarrow in den Cooks wieder zurück in Tahiti. Nein, wir haben KEINEN Blumenkranz ins Wasser geworfen, in der Hoffnung, einmal wiederzukommen. Das war in den Marquesas. Das kann es also nicht gewesen sein. Trotzdem sitzen wir momentan hier fest. Seit kurzem verfolgt uns eine Pechsträhne. Wir können es bestätigen. „Fahrtensegeln = um die Welt reparieren“. Das geht zwar auch anderen so, man kann aber beobachten, je einfacher die Technik und je kleiner das Boot, umso mehr Freizeit hat der Skipper. Unser Au-Pair Claudia hat uns in Bora Bora verlassen und wird mit der Morning Calm nach Tonga weiterfahren. Mit etwas Glück geht es bei uns in 2 bis 3 Wochen weiter auf direktem Weg nach Neuseeland.

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15. September 2006 - Es geht wieder los. Wir wollen über Maupelia und ein paar weiteren Inseln nach Tonga. Die letzte Station vor dem Absprung nach Neuseeland. Seit 7. September ist Claudia an Bord, unser neues Au-Pair. Sie wird uns bis Neuseeland begleiten.

 

 

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Wir sind seit Ende August wieder zurück in Tahiti. Am 10. September schaffen wir es endlich, einen Ausflug zu machen. Das Papenoo-Tal - eine Empfehlung von unserem „Mechaniker“ Michel - ist gigantisch. Überquellende Natur, überall aus dem Berg stürzende Wasserfälle. Als wir vor der völlig überfluteten Strasse stehen, dachten wir jedoch, dass dieser Ausflug zu Ende ist bevor er richtig angefangen hat. Über dieses Wasser kommen wir mit dem Kleinwagen - einem Citroen C3 - nie, der Tag ist gegessen. Ratlos stehen wir vor der Straße ins nasse Nichts. Ein Jeep nach dem anderen passiert den wasserüberfluteten Damm. Da entscheiden wir uns für‘s Trampen. Bald haben wir Erfolg. Ein Pickup nimmt uns mit bis zum Restaurant. Uns ist ganz schön mulmig, als unter unserem Auto das Wasser durchschießt. Wie zum Hohn kommen uns zwei Radfahrer ! entgegen. Sie schaffen es, wir auch. Philippe und Solange heissen die beiden, die eigentlich ein Picknick machen wollten und nun uns hinten auf der Ladefläche haben. Sie fahren uns zum Restaurant, bleiben gleich mit bei uns sitzen. Philippe kam vor langer Zeit hierher - auch mit dem Boot. Er blieb 15 Jahre auf den Marquesas, jetzt ist er Lehrer hier in Tahiti. Wir unterhalten uns gut und trennen uns nicht im Restaurant. Sie zeigen uns einen Wasserfall zum Baden, fahren mit uns noch zu einer alten Opferstätte und am Ende zurück zu unserem Auto. Nicht nur für die Kinder, auch für uns war das ein unvergessliches Erlebnis - Dank der liebenswürdigen Zwei. Unser Mietauto hätten wir übrigens auf jeden Fall geschrottet, selbst wenn wir über das Wasser gefahren wären. Später erfahren wir, dass die Autoverleiher keine Autos am Touristen geben, welche den Papenoo entlang fahren wollen. Wir wissen warum. Dafür benötigt es bei dieser Straße keine überfluteten Stellen. Es reichen schon die Aufsetzer beim Kurven durch die Wasserlöcher. Das Bodenblech unseres Autos scheppert zumindest auf dem Weg zurück bei jeder leichten Bodenwelle. Aber das bleibt natürlich unter uns.

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Rechtzeitig vor dem Fest am 14. Juli landen wir in Tahiti. Während der Fahrt von den Tuamotus nach Tahiti war es wieder einmal so, dass die unangenehmen Dinge meist nachts passieren. In Alfreds Wache blitzt plötzlich der Sternenhimmel durch einen 3 m langen Riss in der Genua. Das hieß: Motor an.

Zur Marina Taina geht es zweimal am Rollfeld des Flughafens vorbei und wir müssen uns jedes Mal vorher über Funk die Freigabe von der Kontrollbehörde holen, welche die Segler mit dem Starten und Landen der Jets koordinieren. Die Marina Taina überrascht und positiv. Sie ist schön und hat europäischen Standard.

Im Juli ist der Monat des Feierns hier. Anlass: Der Jahrestag zur Sturm auf die Bastille am 14ten des Monats. Diverse Areale in Papeete, der Hauptstadt, sind angelegt für Veranstaltungen wie Steinheben für Frauen und Männer, Speerwurf und die großen Tanzwettbewerbe. Papeete ist eine lebhafte Hauptstadt mit vielen kleinen Geschäften, die sich in den Gassen aneinanderreihen. Von der Marina, die außerhalb liegt, geht es mit den vielen privaten Linienbussen für wenig Geld ins Zentrum.

Ein bisschen Frust bereitet uns der Geldumtausch. Die Bankomaten nehmen keine nicht-französischen Mastercards. Nur eine Bank ermöglicht Barabhebungen am Schalter. Also heisst es regelmäßig anstellen.

Es wimmelt von Segelbooten. Auch die „Athena“ liegt für einige Tage hier, ein Dreimastschoner im Besitz von Netscape-Gründer Jim Clark. Die Fahrtensegler liegen meist vor Anker, am öffentlichen Pier oder eben in der Marina Taina. So treffen wir einige derer, die wir zuvor über das Pacific Island Net regelmäßig gehört hatten und können den Nummern nun auch Gesichter zuordnen. Überhaupt war Tahiti in Sachen Kontaktpflege ein recht fruchtbarer Boden. Es hat sich eine nette Gruppe von Booten getroffen, endlich auch wieder mit Kindern. Vier Jungs und zwei Mädels im ungefähr gleichen Alter rasen mit ihren Rollern über den Steg. Mal wird abends auf dem einen Boot gegessen, mal trifft man sich auf dem anderen. Einmal findet am Steg auch eine Pot-Luck-Party (Pot Luck = Einladung zum Essen, bei der jeder etwas mitbringt) der „Paddle Jumper“ (Gruppe von Seglern, die dieses Jahr von der US-Westküste über Mexiko in die Südsee sind) statt, bei der die österreichisch-deutschen Segler wie erwartet das größte Durchhaltevermögen bewiesen.