Tja, was soll man schreiben. Wir haben jetzt den 12. Oktober 2006 und wir sind wieder in Tahiti. Vorerst bleiben wir das auch, da uns die letzten Wochen seit unserer Abfahrt von hier irgendwie das Pech verfolgt. Hier ein kurzer Abriss unserer Erlebnisse - natürlich nicht nur der schlechten.

Moorea:

Das ist unsere Lieblingsinsel hier auf den Gesellschaftsinseln. Wir ankern für ein paar Tage in der traumhaften Opunohu-Bay, fast alleine, um uns herum nur hohe Berge - wir erinnern uns an Fatu Hiva, unseren ersten Landfall in der Südsee. Die anderen Boote drängen sich an dem kleinen Ankerplatz am Strand vor der Buchteinfahrt. Hier steht einiges auf dem Programm.

Erstens: Kirchgang am Sonntag in Papetoi. Steffie schmeisst sich in ihr Tahiti-Kleid und die ganze Familie sitzt brav in der Kirche. Wir bleiben den ganzen Gottesdienst lang, der MP3-Player läuft mit. Am Schluss werden wir sogar vom Pastor persönlich begrüsst.

Zweitens: Rochen füttern. Ein Muss hier auf Moorea. Wir bewaffnen uns mit einer Dose Thunfisch, Schnorchel und Maske und fahren mit dem Dinghy zum Futterplatz, einer kleinen Sandbank in türkisem Wasser vor einer kleinen Insel. Ein Touri-Boot ist auch schon da, und natürlich die Rochen. Alfred ist mutig und füttert sie. Sie schwimmen an ihm hoch und umarmen ihn mit den Flügeln. Das machen sie auch bei uns, merken aber bald, es kommt keine Belohnung. Als noch zwei Haie durchschwimmen, wird uns doch mulmig. Aber kein Problem. Die Rochen umkreisen uns noch etwa eine halbe Stunde und auch die Kinder hatten irgendwann ihre Angst verloren und bleiben tapfer stehen.

 

Drittens: Delfin-Schwimmen. Im Interconti gibt es ein Delfinarium. Wir wollen den Kindern eine Freude machen und melden uns zum Familienprogramm an: Wir fünf allein mit einem Delfin. Nicht nur den Kindern macht das einen riesen Spaß. Das tolle Erlebnis, einmal einen Delfin zu streicheln und zu küssen, trübt allerdings der Preis: 500 Euro für 15 Minuten mit dem Delfin im Wasser. Fotos machen wird verhindert (keiner will uns fotografieren), dafür sollten wir anschließend die vom Hotel gemachten Bilder abnehmen: Eine CD mit 7 Bildern für schlappe 65 Dollar, jedes weitere Bild nochmal 5 Dollar. Wir lehnen dankend ab.

Viertens: Wir fahren zum Aussichtspunkt Belvedere und wandern zurück. Oben haben wir einen herrlichen Blick auf die beiden Buchten, Cooks Bay und Opunohu Bay, den Alfred als Panoramafoto einfängt. Ach ja, der Tiefenmesser geht nicht mehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Huahine:

Hier folgen wir einem Tipp und fahren ganz in den Süden in die Avrea Bay. Huahine ist eine Nachtfahrt von Moorea entfernt und wir kommen pünktlich morgens an. Der Tiefenmesser entscheidet sich, kurz bevor wir das kritische Wasser erreichen, wenigstens temporär seinen Dienst wieder aufzunehmen und wir ankern auf ca. 10 m. Wir liegen in türkisem Wasser, schwimmen, schnorcheln und essen unser bisher bestes Poisson Cru in einem netten Restaurant am Strand. Es hat hier am Strand teilweise soviel Strömung, dass wir „Drift-Schnorcheln“ probieren - 20 cm überm Sandboden, die Korallen greifbar nahe. Ein paar Tage später lichten wir den Anker und fahren nach Fare, wo wir unsere Freunde Rudi und Andi von der „Uhuru“ treffen. Wir planen die gleiche Route Richtung Tonga, nur wir werden - so dachten wir damals noch - ein paar Tage voraus sein.

Bora Bora:

Eigentlich, ja eigentlich wollten wir hier gar nicht her. Aber es lag auf dem Weg, und ein Südsee-Besuch ohne Bora Bora, wer würde das verstehen. Also pausieren wir für eine Nacht im Bora Bora Yacht Club an der kostenlosen Mooring, essen im total überteuerten Restaurant wenigstens nicht schlecht und genießen unseren ersten Sundowner hier.

Morgens geht es los, wir wollen ja nach Maupelia. Das Wetter ist nicht berauschend, aber es ist ja nur eine Nachtfahrt bis zu dem kleinen Atoll. Die Nacht hat es in sich. Über 40 kn Wind, 6 Meter Welle, die sich seitlich übers Boot bricht. Maupelia quasi in Sichtweite. Doch keine Chance, bei dem Wetter können wir den Pass, der nur so breit ist wie unser Boot lang, keinesfalls passieren. Wir entscheiden uns, wir fahren weiter - und zwar außerplanmäßig Richtung Norden nach Suwarrow, weg vom schlechten Wetter. Wir rechnen mit 3 bis 4 Tagen, bis wir das Atoll erreichen. Unterwegs: Ein Fisch beisst. Alfred ruft: „Steffie, runter mit dem Gas.“ Steffie versucht es, es geht nicht. „Alfred, es geht nicht.“ „Steffie, geht endlich runter mit dem Gas.“ Steffie: „Geht nicht, versuch‘s doch selbst.“ Es ging nicht. Die Motorsteuerung hat den Geist aufgegeben. Gut, dass noch eine Notsteuerung vorhanden ist. So lässt sich das Boot wenigstens fahren, wenn auch nur schwer im Tempo regulieren, auch die Schraube lässt sich nicht mehr verstellen und bremst uns beim Segeln um gut 3 kn. Wir denken: „Stellen wir uns vor, dass wäre im Hafen passiert?“ Nicht auszudenken. Kriegsrat. Die Einfahrt nach Suwarrow ist mit der Notsteuerung nicht möglich. Wir entscheiden uns, es geht weiter nach Tonga, noch weitere knapp 1000 sm. Gesagt, getan, Kurs geändert. Wir möchten kochen. Der Generator springt nicht an. Den benötigen wir aber, um die Batterien zu laden, z.B. f. d. Autopilot. Nebenbei entdeckt Claudia noch einen kleinen Riss im Großsegel. Nachdem auch die Genua schon sehr schwächelt und nur mit guten Glück die Reise nach Neuseeland überstehen wird, ist uns das Risiko in der Kombination mit Motor und Generator zu groß und wir drehen um. Nebenbei bemerkt sind die Segel erst ein Jahr alt. Alfred bekommt den Generator zwar unterwegs wieder geregelt, aber dennoch: Einige Tage und über 700 nm später laufen wir wieder in Bora Bora ein und gehen unter Notsteuerung an die Boje. „Uhuru“ und die „Morning Calm“ helfen uns beim Anlegen.

Zurück in Bora Bora stellt sich heraus, dass es nicht nur ein Riss, sondern viele, viele kleine Risse sind. Die erfahrenen Fahrtensegler sagen uns: „Kein Spectra auf Fahrtenyachten, das hält nicht, nehmt nur Dacron.“ Jetzt sind wir klüger. Die Entscheidung umzukehren war also richtig. Für uns bedeutet es, wir müssen zurück nach Tahiti und die Segel und die Motorsteuerung reparieren. Mittlerweile hat auch noch die Dieselpumpe durch Korrision ihren Geist aufgegeben, die sinnigerweise in der Bilge und damit in der Feuchtigkeit montiert war.

Wir entschließen uns, die letzten Tage vor der Zwangspause in Tahiti die Zeit in Bora Bora noch zu genießen. Wir radeln einmal um die Insel mit kleinen Pausen z.B. im Bloody Mary‘s. Witzig: Vor vielen Häusern findet sich im Garten ein Grab, das mitunter auch als Ablage für Eimer etc. genutzt wird. Sei das Haus noch so schäbig, das Kanu davor ist immer hochglänzend. Die Sonnenuntergänge am Steg vor dem Bora Bora Yacht Club (eher ein Restaurant) sind unschlagbar und solange man beim Bier oder beim Happy-Hour Drink bleibt, auch einigermaßen finanzierbar. Jedenfalls wird der Sundowner quasi institutioniert. Jeden Abend findet sich die gleiche Runde ein: Rudi und Andi von der Uhuru, Hans und Kari (Hoffentlich richtig geschrieben) von der Medusa, Simon und Karon von der Morning Calm und einmal auch Beate und Heinz-Jürgen von der Spirit of Assy mit ihren Gästen von der Ingrid. Oft werden wir Fahrtensegler bewundert von den Charter-Seglern, die hier regelmäßig einen Stopp einlegen. Wenn die wüßten, wie gut sie es haben: Keine Reparaturen, kein Teile organisieren, einfach das Boot abgeben, und weiter geht es.

Am 9. Oktober fahren wir wieder zurück nach Tahiti. Ein kurzer Zwischenstopp am Ankerplatz vor der Opunohu Bay in Moorea zum Frühstück und ein letzter Blick in unsere Lieblings-Bay, dann geht es weiter die letzten Meilen nach Tahiti. Kurz vor Sonnenuntergang fällt der Anker vor der Marina Taina. Da sind wir wieder. Steffie hätte nicht gedacht, dass sie ihr Englisch-Kurs-Paket für die Kinder doch noch persönlich in Empfang nehmen kann. Auf das Paket hatten wir zwei Wochen gewartet, es kam und kam nicht. Einen Tag nach der Abreise aus Tahiti war es dann endlich da.

Aber das war der einzig positive Aspekt. Am nächsten Morgen montierten wir zu zweit die schweren Segel ab. Damit nur nicht das Gefühl aufkommen könnte, die Pechsträhne sei vorbei, verhakt sich die Rollreffanlage und wir bekommen das Großsegel fast nicht mehr herunter. Die Plastikschienen haben sich ineinander geschoben. Das Problem ist mittlerweile wieder behoben. Allerdings wartet schon wieder eine neue Überraschung auf uns. Alfred öffnet die Klappe des Stauraums, wo sich die Rettungsinsel befindet. Sie quillt uns fast entgegen. Die Gasflasche ist geplatzt und hat die Rettungsinsel aufgesprengt. Wieder eine Bestellung mehr. Der Wifi-Betreiber hier freut sich. Wir sind rege Nutzer seines Services. In Tahiti gibt es nahezu keine Ersatzteile für Segelboote. Alles muss bestellt werden, und das zu horrenden Kosten. Eine Jabsco-Dieselpumpe, die in Deutschland für gut 400 Euro zu haben ist, kostet hier mit Frachtkosten aus Neuseeland gute 800 Euro. So sitzen wir hier und warten auf diverse Ersatzteile und hoffen, dass wir es noch vor den ersten Zyklonen Richtung Neuseeland schaffen.

 

Zum Teil 1 des Reiseberichts über die Gesellschaftsinseln

 

Rochen vor Steffies Füßen. Foto: Claudia

Für uns das Beste an Bora Bora: Sonnenuntergänge

Von Tahiti nach Moorea, Bora-Bora, Huahine und wieder zurück