13. Juli 07 - Am Freitag den 13ten, um 10.30 Uhr lösen wir die Leinen und steuern Richtung Neukaledonien. Wir sind doch froh, endlich loszukommen. Der Wind und das kalte, regnerische Wetter ging uns letztlich doch auf die Nerven und wir freuen uns auf ein wärmeres Klima.

10. Juli 07 - Der Sturm: Schon nachts pfiff es uns mit 40 kn in Boen um die Ohren und brachte uns - immer mit einem Ohr am Windalarm - um den Schlaf. Am Morgen des 10.7. frischte der Wind dann auf bis zu 70 kn auf und blies so bis zum Nachmittag. Die Segler hier organisierten sich nationenübergreifend, und versuchten den Booten zu helfen, die teilweise Leck schlugen oder von den Moorings rissen und durch die Gegend trieben. Ein dänisches Stahlboot riss sich los, manövrierunfähig durch eine Leine im Propeller, und drohte auf Grund zu laufen. Die beiden Segler hatten Glück im Unglück, erwischten kurz vor Land eine neue Muringleine und konnten sich so gerade noch rechtzeitig sichern. Wir Segler in der Marina verfolgten ihr Schicksal über den Funk, hatten aber keine Möglichkeit, ihnen zu helfen. Von den örtlichen Motorbooten mit eventuell stärkeren Motoren war niemand zur Stelle und mit unseren schwach motorisierten Dinghies war es unmöglich und selbstgefährdend, gegen den starken Schwell und Wind anzufahren. Ein großer Taiwan-Clipper trieb mit slippendem Anker durch den Hafen - vom einhand-segelnden Besitzer vergeblich daran gehindert. Alfred und andere Segler fuhren schließlich hinüber und halfen ihm, uns gegenüber festzumachen. Sein Boot - auf der falschen Seite des Piers - gebärdete sich wie ein wildgewordenes Pferd, das drohte auf den Ponton zu springen. (Video ansehen) Anschließend trieb ein Traditionssegler (zu diesem Zeitpunkt noch unbemannt) zu unserem Pier und auf die in der Nähe an der Boje liegenden Boote zu. Wir lagen dank des alten Navy-Schiffs neben uns recht ruhig, da es uns den Schwell abhielt. Einige der wenigen Unanehmlichkeiten waren, dass wir durch die Aktionen recht nass wurden, eine schlampig festgemachte Klampe aus dem Teak riss und ein mehrstündiger Stromausfall unsere Internet-Verbindung killte. Aber das war die Ausnahme. Einige Segler hatten große Probleme und nicht unberechtigt Angst um ihr Schiff.

8. Juli 07: Wir vertreiben uns die Zeit und cruisen in der Bay of Islands. Naja, cruisen ist übertrieben, es ist eher ein Ausflug: Wir fahren für eine Nacht auf Roberton Island. Beim Anlanden erfahren wir neuseeländische Gastfreundschaft, wenn es darauf ankommt, Fremde vom Betreten des eigenen Grundes abzuhalten - was wir gar nicht vor hatten. Wir wollten nur an der vorgelagerten Rampe unser Dinghy hochziehen. Dass sich dahinter Privatgrund befand, war nicht ersichtlich - denn ausnahmsweise war dieser einmal nicht eingezäunt. Obwohl Strand und angeblich auch die Piers grundsätzlich öffentlich sind, werden wir sehr deutlich gebeten unser Dinghy einige hundert Meter weiter am Strand abzustellen.

Foto: Aussichtspunkt auf Roberton Island mit Blick über die Bay of Islands.

Tag 10 in Opua: Wir sind immer noch hier und werden es wohl auch noch weitere Tage bleiben. Erst Ende nächster Woche könnte sich ein Wetterfenster auftun. Hoffen wir‘s. Mittlerweile sind wir auch Kursänderungen gen Nordosten in Richtung Tonga oder Fiji nicht mehr abgeneigt, wenn es das Segeln möglich macht. Immerhin sind wir nicht allein. Etwa 17 Leidgenossen wollen gen Norden. So trifft man sich ein paar mal wöchentlich zum Bier im Yachtclub und spricht über das, was uns derzeit am meisten bewegt: das Wetter. Die Vorhersagen ändern sich laufend und machen eine Planung schwierig.

4.7.: Wir warten - nicht auf Godot, sondern auf ein stabiles Hoch, das uns die Überfahrt nach Neukaledonien einigermaßen erträglich macht. Da wir aber eigentlich nicht warten wollen, überlegen wir also täglich, ob wir vielleicht nicht doch trotz schlechterer Konditionen fahren sollen, gemäß dem Motto „es kann nur besser werden.“ Also los zum Bunkern der frischen Sachen, um zwei Stunden später dann doch zu entscheiden: Wir warten weiter, so wie die anderen Segler hier, die wie wir auf Kohlen sitzen und lieber heute als morgen die Fahrt nach Norden in Angriff nehmen würden. Momentan ist Samstag, der 7. Juli, als Abfahrtstermin geplant. Wir wären dann etwa am 13./14. Juli in Nouméa, Neukaledonien.

Leinen los - auf nach Opua

Hurra, wir sind wieder unterwegs. Am 28. Juni 2007 um 14 Uhr lösen wir unsere Leinen und verlassen bei strahlendem Sonnenschein die Viaduct Harbour Marina, Auckland - natürlich nicht, ohne uns den Abend zuvor mit den leckeren Sushi-Train Sushis vollgestopft zu haben. Wer weiß, wann wir wieder solche Super-Sushi bekommen. Bye, bye Auckland. Unser nächstes Ziel ist Opua, Bay of Islands. Es wird nur ein Zwischenstopp sein, bis wir ein günstiges Wetterfenster für die Fahrt nach Norden erwischen. Die Überfahrt war relativ gemütlich mit 15 bis 25 kn am Wind und wenig Welle. Nur die letzten Seemeilen der etwa 150 nm langen Strecke wurden wir vom Schwell etwas hin und her geschaukelt. Hier in Opua geht es beschaulich zu. Ein paar andere Schiffe sind ebenfalls noch hier und warten auf passendes Segelwetter. Der Ort bietet nur ein Restaurant und - für Kilian besonders interessant - ein abgetakeltes Schiff der Navy direkt neben unserem Liegeplatz. Es soll als Tauchziel versenkt werden.

Das Restaurant mussten wir sofort ausprobieren. Wir hätten es besser nicht getan. Nehmt in der Gegenwart von Steffie bitte nie mehr das Wort Austern in den Mund. Nach 6 frittierten Austern und einem schönen, leckeren Fischgericht testete sie nämlich die ganze Nacht die Funktionsweise der Bordtoilette. Fazit: Lieber ein schlechtes Bier als eine schlechte Auster.

Das Wetter wird wieder schlechter und wir können mit 40 kn Wind rechnen. So vertreiben wir uns den Tag mit lesen, basteln, Website Update etc. Um 17 Uhr ein Lichtblick: Wie wir heute auf der Funke gehört haben, bringt der deutsche TO-Stützpunktleiter leckeres Brot in die Marina. Nichts wie hin. Apropos Brot: Wir haben jetzt eine Brotbackmaschine an Bord und wir können sie nur empfehlen. Das Ding läuft problemlos über den Inverter und beliefert uns morgens mit frisch duftendem Brot.

„Come on, Kiwis, come on!“

Dieser lautstark geäußerte Anfeuerungsruf stammt nicht von uns, sondern von einer etwas angetrunkenen Auckländerin, mit der wir gemeinsam das erste Rennen des Team NZ gegen Alinghi verfolgten. Genau im Gebäude hinter uns hat die Stadt Auckland einen Großbildschirm aufgestellt und einen Pub-Betrieb ins Leben gerufen - solange der Americas Cup dauert. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Heimlich schleichen wir 3 Erwachsenen uns um Mitternacht vom Boot und gesellen uns zu den Auckländern, die gekommen sind das Rennen anzusehen. Leider verliert das Team NZ nach einem guten Start. Die Enttäuschung ist in den Gesichtern der mitfiebernden Zuschauer zu lesen. Den Kiwis wäre ein Sieg wirklich zu wünschen. Welches Team kann schon eine solch‘ begeisterte Fangemeinde aufweisen.

Unsere neue Verena

Wie neu sieht sie wieder aus, unsere „Verena“ - gespritzt vom Kiel bis zur Mastspitze.

Foto: „Verena“ liegt runderneuert am ehemaligen Pier des Alinghi-Teams.

Alfreds Liste ist zwar immer noch lang, aber langsam kommt Abschiedsstimmung auf. Uns graut vor dem Proviantieren, den Bergen an Dosen, Tetrapaks, Plastikflaschen, Nudelsoßen und Nudeln und vielem mehr. Gerade bei letzteren haben wir gut zugeschlagen. Wer weiß, wann wir wieder Barilla-Spaghetti kaufen können. Unser Bestand reicht nun für 2 Monate täglich Spaghetti essen - Penne und Lasagne nicht mit eingerechnet.

Mittlerweile wohnen wir wieder auf dem Boot. Gott sei Dank. „Verena“ ist jetzt unser zuhause - da bietet selbst die tollste temporäre Wohnung keine Alternative. Den Kindern fiel der Abschied von der Schule schwer und beide beteuern: „Wir kommen wieder einmal hierher.“ Ach ja, und Kilian hat die Badetemperatur des Auckländer Hafenbeckens getestet. Von der Sonne geblendet, so seine Erklärung, lief er hinter Verenas Heck vorbei geradeaus ins Wasser hinein. Natürlich leisteten wir von seinem lauten Schreien aufgeschreckt erste Hilfe. Doch wie sagt man so schön: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Ausflug nach Coromandel

Anfang Juni feiert man hier den Geburtstag der Queen. Wir nutzen das verlängerte Wochenende und besuchen noch einmal Annegrit und Jessica mit ihren tollen Wochenend-Cottages in der Coromandel. An diesem Traumplatz kann der Abschied von Neuseeland schon schwerfallen.

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Foto: Blick über die Coromandel (www.pitoone.com)

 

Neuseeland

4. Teil

 

 

 

 

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