Papua Neuguinea /         Port Moresby

19. September 2007 - Die schönen Tage in Port Moresby sind vorbei. Wir fahren los, durch die Torres Straße nach Indonesien.

Wir verlassen Papua Neuguinea mit dem Gefühl, viel zu wenig gesehen zu haben. Die Marina in Port Moresby - eigentlich der private Royal Papua Yacht Club - ist absolut empfehlenswert: sauber, freundliches Personal, eine gut besuchte Bar und leckeres, preiswertes Essen im Restaurant. Wir wurden noch in keiner Marina so mit offenen Armen aufgenommen. Allen voran Rolf, der Trans-Ocean Stützpunktleiter, der uns durch die Stadt fuhr und mit Rat und Tat zur Seite stand (Rolf, nochmal vielen Dank dafür), und Jason und Nadine mit ihren drei Jungs, die wir hier kennenlernten. Anna traf bereits in den ersten paar Minuten auf Landsleute und brachte gleich eine Einladung zur Regatta mit sich.

Foto: Regatta-Vorbereitung: Alfred und Anna helfen beim Auftakeln der Racketeer.

So vertauschte Alfred das Steuer gegen einen Platz an den Schoten und beide segelten brav als Crew in der Club-Regatta. Folglich saßen wir bereits am zweiten Abend in feucht-fröhlicher großer Runde. Überhaupt wird Geselligkeit groß geschrieben und man vergisst fast, dass die Welt ausserhalb des gut gesicherten Marina-Geländes anders aussieht. Für uns Außenseiter treibt dieser Mikrokosmos manchmal lustige Stilblüten, etwa wenn die Mitglieder des Yachtsclubs wie Gefangene auf ihrer Stunde Hofgang täglich abends den Zaun des Marina-Geländes entlang joggen.

Neben der Marina befindet sich in Fußnähe (tagsüber kein Problem) ein gut sortierter Supermarkt mit japanischem Restaurant und einem Friseur-Saloon plus Spa. Steffie fasst sich den Mut und lässt sich von Richard frische Strähnchen und einen Haarschnitt verpassen. Der Filippino arbeitet absolut professionell und das Ergebnis war für umgerechnet 50 Euro ein Schnäppchen. Für Alfred war die Überwindung größer, bekam er doch Richards Kollegen Jimmy zugeteilt, ebenso gay, aber meist sich schminkend vor dem Spiegel anzutreffen. Alfred befürchtete, Jimmy verwechsle möglicherweise die Schere mit dem Lidschatten. Doch dem war nicht so und für 10 Euro war er mit einem klasse Schnitt dabei.

16. September 2007 - Independence Day in Port Moresby. Leider hat es mit der Goroka Show nicht geklappt. Wir wollten kurzfristig in die Highlands fahren zum großen Festival der diversen Kulturen Papua Neuguineas, die Huli Wig-man mit ihren kunstvollen Perücken und die Asaro Mudmen mit ihren Lehmmasken sehen. Wir hätten es uns denken können: Drei Tage vorher war natürlich alles ausgebucht. Selbst als uns Nadine zwei Plätze im Flugzeug der australischen High-Commission organisieren wollte, hatten wir Pech. Das Email an uns war kaum weg, da waren es die Plätze auch. So begnügten wir uns also mit Port Moresby. In der Marina war einiges los und wir lernten auch gleich Organisation à la PNG. Die Kunstausstellung am Samstag abend - beste zeitgenössische Kunst PNGs - war angeblich nur mit Eintrittskarte zu besuchen. Als wir noch eine auftreiben konnten, hörten wir hinter vorgehaltener Hand die Empfehlung, die eine Karte werde auch für zwei reichen. Wir hätten sie gar nicht benötigt. Als wir für die Vernissage aufgebrezelt durch die Bar wanderten, meinte Tony: Warum geht ihr nicht in die Ausstellung, da hinten ist die Tür offen. Tja, so waren wir dann drin, tranken Sekt und aßen Canapees und keiner hat uns je nach unserer Eintrittskarte gefragt. Leider waren die Bilder, die uns gefallen hatten, einfach zu groß.

Foto: Kilian mit seinen beiden Freunden - das Gemälde dahinter hätten wir gerne, aber es war uns leider zu groß.

Am nächsten Tag war großes Fest in der Marina, mit Tänzen und einem Kunsthandwerksmarkt. Überall in Port Moresby wurde gefeiert. Meist sind die Locals jedoch unter sich, auch am Ela Beach, dem Zentrum der Festivitäten. Wir wagen uns mit lokaler Unterstützung von Jason und Nadine zum Ela Beach. Als Gruppe sind wir weniger gefährdet. Alfred wickelt sich die Kamera fest ums Handgelenk, sieht jedoch bald einen jungen Einheimischen, der ihm stetig auf den Fersen folgt. Als er von einem älteren Mann den Ratschlag erhält aufzupassen, da „Raskols“ (= Banditen) gesehen worden seien, entschließen wir uns nach gut einer halben Stunde shoppen und schauen zum Rückzug. „Man soll sich nicht zu lange hier aufhalten, dann ist es okay“, erklärt uns Jason. Die Raskols, meist junge Kerle ohne Ausbildung und Arbeit, sind die negativen Begleiterscheinungen einer Arbeitslosenrate von etwa 90 %. Sie machen auch vor ihren Landsleuten nicht halt, aber Weiße sind natürlich das erste Ziel, allen voran Touristen, die sich nicht an die üblichen Vorsichtsmaßnahmen halten.

Foto: Die Einheimischen feiern ihren Independence Day am Ela Beach.

Ansonsten sind die Leute nett und als Alfred einen Koteka (Penisköcher) begutachtet begleitet ihn das Lachen der weiblichen Verkäuferinnen. Vorsicht ist aber wohl überall auf dem Festland angebracht. „Life is cheap here“, hat uns Kilians Lehrerin in Neuseeland gewarnt, die einige Jahre in Lae lebte. Vermutlich ist Port Moresby nicht schlimmer als manche Städte in Südamerika. Wer sich an die Regeln hält, einige Straßen nachts nicht fährt und schon gar nicht läuft, einige Orte meidet und immer ein waches Auge hat, kann es hier durchaus einige Jahre aushalten. Schon wenige Kilometer außerhalb Port Moresbys ändert sich das Bild. Jason lädt uns zu einer Sightseeing-Tour ein. Wir sind dankbar, sonst hätten wir nicht viel gesehen.

Foto: Die Crew der Verena (ohne Kids) vor dem Rouna-Fall.

In der Bomana War Cemetry sind etwa 4000 Australier und Papua Neuguiner begraben, die im gegen die Japaner gefallen sind. Der schön angelegte, sehr gepflegte Park steht unter der Verantwortung des Commonwealth. Wir fahren entlang des Laloki River und passieren kleine Dörfer, bis wir schließlich den Rouna-Wasserfall erreichen. Es regnet, so werden wir zwar nass und die Fotos nicht so schön, aber dafür ist der Wasserfall umso prächtiger. Anschließend fahren wir nach Sogeri, dem Dorf, das wohl Port Moresbys Märkte mit Obst und Gemüse beliefert. Die Verkäufer in dem kleinen Markt attestieren uns vermutlich einen leichten Dachschaden, als wir im strömenden Regen aus dem Auto springen und durch Matsch laufen, um ein paar Ananas und einige Handvoll Bananen zu kaufen. Doch Ananas gab es selbst in Port Moresby nicht und die Bananen sind hervorragend. Nicht weit von hier beginnt der berühmte Kokoda Track, eine mehrtägige Wanderung, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Im letzte Jahr sollen bereits über 3000 Leute die 96 km bewältigt haben, die meisten davon in organisierten Touren. Während wir uns anschließend Bananen mampfend auf den Heimweg machen, vergnügen sich unsere Kids bei Nadine und den drei Jungs im Swimmingpool.

8. September 2007 - Port Moresby, Papua Neuguinea

Seit wenigen Stunden liegen wir also hier in Port Moresby, der wegen seiner Überfälle als gefährlich bezeichneten Hauptstadt Papua Neuguineas. Drei Nächte und zwei Tage hat die Überfahrt gedauert, bei durchschnittlich 15 Knoten Wind und ohne besondere Vorkommnisse. Rolf Borger, der hiesige Stützpunktleiter von Trans-Ocean hat uns einen Liegeplatz in der sicheren Marina des Royal Papua Yacht Clubs besorgt - einer Oase mit Bars, Restaurants, Kinderspielplatz und Fitnessraum - man könnte auch Fort Knox dazu sagen. Hier liegen wir wunderbar und die Kinder sind bereits wieder in ihrem Element: fischen und auf dem Spielplatz der Marina spielen.