Indonesien

Bali bis Singapur

9. November 2007 - So wenig Wind hatten wir noch nie. Von Bawean fahren wir nach Serutu. Dort soll es Diesel geben. Nicht nur wir, auch Uhuru und Phoenix benötigen Sprit. 200 Liter könnten wir haben, zum Apothekenpreis von 10.000 Rupia anstelle der üblichen 5.000. Zum einen müssen die Fischer zu einer anderen Insel zum Auffüllen ihrer Bestände. Zum anderen kennen sie die Gesetze von Angebot und Nachfrage, sprich: die Not der Segler. Wohl keiner rechnet mit soooo wenig Wind. Steffie ist zuerst wenig begeistert von der Bevölkerung Serutus, einem kleinen Fischerdorf aus Holzhütten auf Stelzen. Die Frauen kommen und möchten alles, was wir am Leibe tragen: Haarspangen, Nagellack, Kleidung, Sarongs, Ringe, etc. Einerseits verständlich und wichtige Sachen zum Leben, z.B. Kinderkleidung und auch Shampoo, geben wir gerne. Vermutlich kennen sie einfach nicht den Unterschied zwischen Dingen, die für uns wertvoll und weniger wertvoll sind. Und fragen kostet schließlich nichts. An Land werden die Erlebnisse positiver. Die Frauen, denen wir die Kinderkleidung gaben, laden uns zum Tee in ihr Haus ein, alle sind freundlich und gebettelt wird nicht mehr.

Foto: Anna, Bella und Alfred mit der Kinderschar von Serutu.

Zwei Tage später - mit nur 60 l Diesel mehr - fahren wir nach Singapur. Wieder erwarten bekommen wir Wind, der geplante Tank-Stopp in Bintan kann ausfallen und wir gehen in einer Nachtfahrt durch die Straße von Singapur direkt zur Raffles Marina.

4. November 2007 - Eigentlich sind wir gar nicht, wo wir jetzt sind bzw. wir sollten es nicht sein und sind es doch. Auf dem schnellsten Weg nach Singapur sollte es gehen. Sogar die Orang-Utans in Kumei lassen wir aus - irgendwie erscheint es uns zu schade, das interessante Borneo (Kalimantan) in zwei Tagen mit einer Bootstour abzuhandeln. Ausserdem ist die Malariamücke hier sehr präsent, darauf legen wir auch keinen Wert. Vermutlich ist es ein Fehler. Alle Segler, die dort waren, sind begeistert und nennen Kumei als eines ihrer Tourhöhepunkte. Aber wir üben uns im Verzicht. Mit fünf deutschsprachigen Booten machen wir uns fast gleichzeitig auf den Weg Richtung Nordhalbkugel. Wir vereinbaren einen kleinen Stopp auf Pulau Raas, also nur eine Nachtfahrt von Bali entfernt. Auf dem Weg dorthin sehen wir von See aus ein anderes Bali, bergig, grün. Hunderte von Outrigger-Kanus kreuzen das Meer Richtung Lombok. Wir wüssten gerne, warum. Die lt. Seekarte verlockende Bucht auf Raas - 14 m Wassertiefe überall - wir träumen von türkisem Wasser - erweist sich erstmal als Enttäuschung. Riesengroß und vor allem: Nur im Eingang hat es 10 bis 14 m. Ansonsten sind es gut über 20 m. Wir suchen und suchen nach einem passenden Ankerplatz. Als Alfred neben sich die Korallen-Bommies sieht, entscheidet er sich zum Rückzug. Fast hätten wir uns draufgesetzt. Überhaupt könnte man die kommenden Tage als Versuch „wie nahe schaffe ich es zu den Korallen ohne aufzusitzen“ werten.

Die anderen 5 Boote trudeln nach und nach ein. Andi und Rudi von der „Uhuru“ macht bei uns fest, Ankern auf 22m ist für ihr Boot einfach zu tief. Die Belohnung: Klares, grünes Wasser ohne Müll. Wir genießen unser erstes richtiges Bad in indonesischen Gewässern. 30 Grad Wassertemperatur machen es nicht gerade zu einer Erfrischung, aber wir wollen nicht klagen. Klagen tun wir nur über die heissen Nächte, die uns um den Schlaf bringen.

Foto: Eiskalte Bierlieferung an die „Uhuru“ beim Vorbeifahren.

Wir bleiben zwei Nächte in Pulau Raas und segeln zusammen mit „Phoenix“ und „Uhuru“ weiter. Wieder ein Stopp wird vereinbart. Bawean heisst die Insel zwischen Java und Kalimantan (Borneo). Es sollte nur ein kurzer Zwischenhalt werden. Wer hätte gedacht, dass wir hier (05°43,80 S/112°40,11E) auf ein Highlight unserer Indonesien-Reise stoßen. Wir ankern auf gemütlichen 8 m in Sand, wieder einmal in klarem Wasser. An Land für indonesische Verhältnisse wenig Müll. Kaum an Land bekommen wir eine Lektion in indonesischer Gastfreundschaft. Kilian hat Fieber und wir suchen einen Arzt. Den findet Alfred im nächsten Dorf und er kommt aufs Boot. Geld für die Untersuchung? Davon will er nichts wissen. Er schickt uns zudem nach Sangkapura für einen Malaria-Test - nur zur Sicherheit. Die Taxifahrt dorthin ist ein optisches Vergnügen. Bewirtschaftete Felder, grüne Berge - wir fühlen uns etwas an die Südsee erinnert, wenn wir in die Berge blicken. Der junge Arzt im islamischen Krankenhaus von Sangkapura, direkt neben der Moschee, gibt uns Entwarnung - keine Malaria - dafür aber Magentabletten für Kilian, die ihm auch bald helfen. Wieder einmal wird eine Bezahlung abgelehnt. Wir verquasseln uns noch mit einem Seemann, der normalerweise in Rotterdam lebt und nur wenige Monate im Jahr hierher nach Hause kommt und fahren los. Unser Taxifahrer ist schon etwas unruhig und bald wissen wir warum. Plötzlich stoppt er neben einer Moschee, steigt aus, betet und kommt wieder. Fünf Minuten später fahren wir weiter - er relaxt und wir erstaunt. Die Menschen von Bawean sind sehr gläubige Muslime, in einer positiven, nicht fanatischen Art. Wir fühlen uns wohl und keineswegs  fremd oder nicht akzeptiert. Eher im Gegenteil. Die Freundlichkeit ist überwältigend.

Isabell hat in einer Großmutter vom Ort eine Bewunderin gefunden. Sobald sie Bella erblickt, kommt sie und weicht ihr nicht mehr von der Seite. Wir werden auf die Terrasse eingeladen und kiloweise mit Früchten überhäuft, Mangos, Bananen und welche, die wir erst kennenlernen müssen. Es ist keine reiche Familie und für fühlen uns etwas beklemmt, dass sie uns so mit Früchten beschenken, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Unser schlechtes Gewissen weicht erst, als wir sehen, wie sie sich über die Kinderkleidung und die T-Shirts freuen, die wir ihnen zum Abschied schenken. Wir bleiben zusammen mit Albert und Monika von der „Phoenix“ und Andi und Rudi von der „Uhuru“ zwei Nächte. Alfred leiht sich ein Motorbike aus und erkundet die Insel und landet schließlich in einer Art Kneipe mit Billardtisch am Strand, wo er mit den jungen Männern Billard spielt. Tags darauf organisiert Alfred ein Auto - das nicht kommt. Als wir die Hoffnung schon aufgegeben haben, zeigt sich wieder indonesisches Organisationstalent und wir finden jemanden, der uns zum See ins Inselinnere fährt. Es ist der Treffpunkt der einheimischen Jugend und für Steffie das erste Mal, dass sie in voller Bekleidung mit Sarong und T-Shirt schwimmt bzw. plantscht.

Foto: Baweans Jugend schwimmt in voller Montur.

Das Schwimmen im Süßwasser ist herrlich, nur der Müll am Ufer trübt hier das Bild. Wir sitzen noch lange in dem kleinen Kiosk am Ort, bis uns der Durst nach kaltem Bier aufs Boot lockt. Bier gibt es auf der ganzen Insel nicht, dafür aber Whiskey wie Alfred nach seinem Kneipen-Besuch zu erzählen weiß.

  Bunte Fischerboote in Bawean - und ein typischer Monsoon-Regenguss.

 

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