Sri Lanka

 

12. bis 15. Februar 2008 - Unverhofft kommt oft, für uns Sri Lanka. Schon in Thailand gab es unter den Seglern intensive Diskussionen darüber, ob man nun auf dem Weg in die Malediven einen Zwischenstopp in Galle machen sollte. Die politische Situation mit den Tamil Tigers empfahl eher das Gegenteil. Segler, die dort waren, empfanden die Zeit sehr widersprüchlich, von schwelligem Liegeplatz, mehr als erträglich aufdringlichen Fischern, bettelnden Beamten und Navy-Soldaten, aber auch von einem schönen Land und dem tollen Flair der Stadt Galle war die Rede. Für uns war klar, dorthin fahren wir nicht. Wäre nicht der Wind gewesen.

Foto: Und so motoren wir in die Nacht hinein - in der Hoffnung auf Wind.

Wieder einmal, wie schon so oft auf der Strecke seit Papua Neuguinea, mussten wir motoren. Dieselvorräte in der gewünschten Menge gab es nicht an unserem Zielort Uligan, in dem nördl. Malediven-Atoll. So entschieden wir kurzfristig: Wir fahren nach Galle, Sri Lanka.

Fazit: Es hat sich gelohnt, ein wunderschönes Land, schöne Bilder, die wir nie vergessen werden, und auch traurige, denn die Schäden durch den Tsunami von 2004 sind noch überdeutlich zu sehen, viel deutlicher als in Thailand. Es ist kein reiches Land, die Leute haben viel Leid erlebt und erleben es noch und der Wunsch nach einem höheren Lebensstandard ist verständlich. Allerdings führt der Wunsch zu Nebenerscheinungen wie Abzockversuchen und teilweise penetranter Bettelei nach Zigaretten und Geld. Der Ponton, an dem wir wie eine Spinne an Anker und langen Heckleinen plus diverser Spring-Leinen hingen, schwellte so stark, dass man meinte, man sei volltrunken, wenn man ihn betrat. Wir mussten mit dem Beiboot die 4-5 Meter vom Bootsheck zum Ponton fahren, näher konnte man nicht heran, sonst bestand die Gefahr, dass die „Verena“ auf den Steg sprang. Dennoch hatten wir auch hier ein schönes Abschiedserlebnis, als uns am Steg jemand eine Tüte frischer Garnelen und schöner Muscheln für die Kinder schenkte. Das gibt’s also auch und wir wollen diese Erlebnisse behalten und sind wirklich froh über diesen Stopp.

In drei Tagen hatten wir viel gesehen, dank eines Ausflugs ins Landesinnere. Sechs Stunden direkte Fahrt waren es von Galle nach Kandy im Inselinneren, vorbei an Reisfeldern, üppigem Regenwald. In Kandy befindet sich der für Buddhisten wichtige Tempel mit Buddhas Zahn. Es soll sich um den echten Zahn Buddhas handeln, der alle vier Jahre gezeigt wird.

Foto: Gruppenfoto mit Fahrer Natale (in Orange) und Guide Saman vor dem berühmten Tempel mit Buddahs Zahn, Kandy.

Die Fahrweise hier ist gewöhnungsbedürftig, und hätten wir nicht das Gefühl gehabt, unser Fahrer Natale beherrschte die Situation des Überholens bei Gegenverkehr auf einer vierspurig befahrenen zweispurigen Straße, wären wir wohl ausgestiegen. So waren wir zufrieden, als Saman, unser Guide, an der für Verkehrsunfälle zuständigen Stupa (so wurde es uns erklärt) ein paar Münzen hinlegte und Buddha um eine sichere Reise bat. Das sei unsere Lebensversicherung, hieß es.

Traurig war der Anblick der Tsunami-Schäden an der Küste zwischen Galle und Colombo. Häuserruinen und daneben je nach Möglichkeit des Bewohners ein neues Haus oder eine Bretterbude. Unser Guide Saman wohnte direkt am Strand, wurde mitgerissen und weiß heute noch nicht, wie er, seine Frau und die zwei Kinder überlebten. Unser Fahrer Natale muss sich als einziges männliches Wesen der Familie nun um seine Mutter und seine zwei Schwestern kümmern, der Vater kam um. Unser Halt an dem Massengrab für 1270 tote Passagiere eines Linienzugs und 270 Dorfbewohner war entsprechend beklemmend.

Man lebt hier mit der Gefahr der lt. unserer Führer tgl. Anschläge der Tamil Tigers. Vor uns fuhr einmal ein Trauerwagen im Konvoi, ein frisch erschossener Soldat im Konflikt der beiden ethnischen Gruppen. Auch wir im Hafen, der Navy-Gebiet ist, bekommen die Probleme hautnah mit. Nachts schrecken uns Wasserbomben aus dem Schlaf, die gezündet werden um evtl. Froschmänner der Tamil Tigers abzuwehren. Neben uns liegt ein Kriegsschiff und abends drehen die Soldaten am Schnellfeuergewehr dieses in alle Richtungen, unter anderem auch auf uns - ein komisches Gefühl.

Das Highlight war zweifelsohne der Besuch der Elefanten. Zuerst durften die Kids plus Lisa auf einen gut einstündigen Ritt gehen, anschließend wurden sie vom Elefanten geduscht, dann ging es einige Kilometer weiter zu einem Restaurant mit Blick über ein breites Flussbett. Jeden Tag um 14 Uhr wandern gut 50 Elefanten direkt am Restaurant vorbei zu einem Bad im Fluss. Es war herrlich, die Tiere in Freiheit zu beobachten.

 

 

 

Foto: Keiner fragt hier nach dem Führerschein—Bella u. Kilian im Tuk-tuk.