Malediven

 

18. bis 25. Februar 2008 - Hier auf Uligan, die Hauptinsel in nördlichsten Malediven-Atoll, stand ein Abschied an. Es war das letzte Atoll auf unserer Weltumsegelung, es war vermutlich das letzte Mal, dass wir in türkisem, 30 Grad warmen Wasser schwimmen konnten. Es wird kühler, karger und ist für die nächsten Monate auch mit wenig Badevergnügen verbunden, da es entweder die Kultur vor Ort nicht erlaubt oder das Wasser zu kalt ist, zumindest für Steffie.

Uligan ist vom Tourismus bislang unberührt, mit Ausnahme der Segler, die dort seit einiger Zeit sogar offiziell ein– und ausklarieren können. Als wir ankamen waren etwa 15 Boote am Ankerplatz, alle bis auf wenige Ausnahmen auf dem Weg nach Norden. Wer es noch nicht geahnt hatte: Die klassische Segelroute um die Welt ist zur Hauptsaison wie eine Autobahn. So treffen wir einige wieder, die wir schon kannten und wie üblich, gab es großes Hallo.

Foto: Zum Sailor‘s Dinner kamen fast alle: SY Yosun, SY My Chance, SY Phoenix, SY Semarillion, SY Ala di Sabah, SY Dilan, SY Tinto, SY Shipibo und natürlich wir.

Auf Segler wirken die Malediven oft abschreckend, da sie als bürokratisch und teuer verschrien sind, was durchaus stimmt, wenn man z.B. zwischen den Inseln segeln möchte. Wer nur in Uligan stoppt erlebt nichts von dem. Kein Agent war zu bezahlen, keine Segelerlaubnis, der ganze Spaß kostete nur 5 Dollar Ankergebühr, bezahlbar ans Insel-Office. Es war ein großartiger Stopp - nicht wegen des Riffs, das relativ tot war. Vor allem wegen der Bevölkerung, deren Freundlichkeit schwer zu übertreffen ist. Die strengen Regeln, welche die muslimische Bevölkerung wohl vor zuviel negativen westlichen Einflüssen schützen sollen, waren für uns eher von Vorteil. Keiner kam z.B. ans Boot und bat um Zigaretten und Alkohol und wir konnten unsere Vorräte für die Beamten und Fischer in der Arabischen See und im Roten Meer schonen, die wohl wieder eher zur anderen Kategorie à la Sri Lanka zählen.

Foto: Traumstrand im Atoll - der letzte für uns auf dieser Weltumsegelung.                                                                   

Von den Beamten bis hin zu den Müttern, die für uns beim von dem Dorf organisierten „Sailor‘s Dinner“ kochten, alle stehen den Seglern offen und tolerant gegenüber. Leider war Steffies Magen der ungewohnten Kost gegenüber nicht aufgeschlossen und der Abend endete unangenehmer als er begonnen hatte. Zuerst war es etwas befremdlich, dass man nie allein durchs Dorf laufen konnte. Doch bald stellten wir fest, es war kein Misstrauen, sondern die jungen Männer wollten sich nur unterhalten und bei der Suche nach Lebensmitteln behilflich sein. Warum sollte man auch sonst durch ein Dorf laufen?, dachten sie vermutlich. Nachmittags traf man sich am Strand, Seglerkinder und Dorfjugend. Die jungen Frauen lernten Lisa, Isabell und Sophie (SY Shipibo) wie man Fischkuchen bäckt, während Kilian mit einem Jungen und dessen Großvater fischen war und aus Palmblätter Fische und kleine Bälle flocht. Man scheint die Segler hier als willkommene Abwechslung zu betrachten. So vertrieben wir uns die Zeit mit Schnorcheln, Fischen und die Mutigen schwammen mit den Manta Rochen, die den Ankerplatz regelmäßig mittags und abends aufsuchten. Alfred ging zwar nicht schwimmen, bekam aber von einem riesigen Manta-Rochen unter dem Dinghy einen Schwall Wasser über, als der einen seiner Flügel aus dem Wasser nach oben schlug.

Foto: Ist das nicht ein friedlicher Ankerplatz? Abendstimmung am Pier in Uligan, Malediven.

Wer weiß, wie lange dieses Segleridyll so noch besteht. Als wir dort waren, fand der erste Spatenstich für ein Hotelressort statt. Ein Zaun soll es vom Dorf trennen und in Zukunft sollen wird man dann dort wohl vom Hotel aus Bojen und Dienstleistungen für Segler anbieten. So hat man es uns erzählt. Die Jungs von Uligan, die noch nicht lange ihren Yacht Service Sailor‘s Choice ins Leben gerufen haben und sich recht für die Segler engagieren, sehen die Sache zwiespältig und hinter vorgehaltener Hand erfährt man, dass sie damit rechnen, ihren Yacht Service aufgeben zu müssen.