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Griechenland bis Italien

Rückkehr nach Monfalcone

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11.– 30. Juni 2008 - Wir segeln die 8 nm von der türkischen Küste und unserem Ankerplatz Nähe Datca nach Symi, Griechenland. 25 Knoten Halbwind, das war schon lange mal wieder fällig. Kilians Freund Robin, der für diesen Trip von der Tradewind auf die Verena gewechselt hatte, steuerte zum ersten Mal unser Boot. Mutig hält er das Ruder, aber als der Zeiger über 10 Knoten geht und Legosteine, Kugelschreiber und anderes Zeug wegen Schräglage durchs Boot fliegten, reffen wir dann doch.

Malerisch liegt er da, der kleine Hafenort Symi. Vorerst haben wir jedoch kein Auge dafür. Wir müssen erst ankern. Das gestaltet sich hier nicht so einfach mit den vielen Booten und Ankersalat ist vorprogrammiert, wenn er denn hält. Irgendwann hängen auch wir und stoßen nachträglich auf Alfreds Geburtstag an, den wir wegen unsicherer Wetterlage tags zuvor nicht feiern konnten.

Foto: Hafen der Dodekanes-Insel Symi.

Der nächste Schlag soll eine Nachtfahrt werden. Langsam drängt uns die Zeit und wir wollen Richtung Heimat. Auf Amorgos, das zu den Kykladen gehört, empfängt uns das Bilderbuch-Griechenland, das meist in Form von Santorini griechische Restaurantwände ziert. Vor allem der Hauptort Chora mit seinen von weiß-blauen Häusern gesäumten Gassen hat es uns angetan. Wir lassen die Kinder in Obhut der Tradewinds, mieten uns einen Roller und fahren über die Insel. Zu den Highlights von Amorgos zählt das Felsenkloster Chozoviotissa, das wie uns gesagt wurde nur noch von drei Mönchen bewohnt wird. Ein Serpentinenpfad führt hinauf zum Eingang. Alfred: „Wenn man dann endlich oben ist, werden sie Eintritt kassieren.“ Nichts dergleichen. Nicht einmal um Spenden wurde gebeten. Statt dessen bekamen wir einen zimtigen Amorgos-Likör und Kekse serviert.

Foto: Oft krachen Felsblöcke herunter, aber es sei noch nie einem Menschen etwas passiert, sagt man uns im Kloster, das 300 m über dem Meer an der Felswand klebt.

In Amorgos erklomm das Tradewind-Verena-Grillteam auch den Barbecue-Olymp. Seit wir zusammen in der Türkei unterwegs waren, grillten unsere beiden Skippern mindestens 100 Lammkoteletts. Die Boote eng vertäut, den Platz hinter Verenas Cockpit zur Picknick-Plattform umfunktioniert, nutzen wir Tradewinds Reling-Grill. In Amorgos gelangen unseren Skippern die besten Lammkoteletts unseres Lebens, die wir allerdings noch aus der Türkei mitbrachten. Die Gäste des gegenüber liegenden Restaurants, denen der Grillgeruch im die Nase wehte, taten uns nicht wirklich leid.

Es heißt ja immer, man sollte gehen, wenn es am Schönsten ist. Aber leichter wird es dadurch nicht. In Amorgos stand wieder einmal ein unliebsamer Abschied an. Tradewind musste Richtung Italien und Holland weiter, segelte also südlich des Peloponnes. Wir entschieden uns für den Kanal von Korinth. Seit Jemen waren wir viele Meilen zusammen gesegelt und die Kinder betrachteten beide Boote als ihr Zuhause. Entweder schliefen die Großen, Robin und Kilian, bei uns, oder Koen und Isabel bzw. umgekehrt.

Der Magnet Heimat wurde immer stärker. Die nächsten beiden Inseln Seriphos und Poros hakten wir als Zwischenstopps ab, wobei uns Poros trotz hohem Touristenaufkommen recht gut gefallen hat - soweit man das in 24 Stunden beurteilen kann. Wir freuten uns auf den Kanal von Korinth mit seinen hohen Steilwänden. Die Wartezeit war nur kurz, aber aufregend, als ein aus dem Kanal kommendes Frachtschiff genau neben der längsseits liegenden Verena aufs Gas drückte. Verena zog es meterweit vom Pier weg. „Was machst denn jetzt?“ schrie Alfred aufgeregt, in der Vermutung, Steffie hätte in einem plötzlichen Anfall von Wahnsinn die Leinen gelöst. Kaum hatte er es ausgesprochen, schmiss es das Boot wieder zurück an den Pier. Schön, wenn man gute Fender hat. Steffie konnte sich ein lautes A……. nicht verkneifen, aber selbst wenn es der Steuermann des Frachters gehört hätte, hätte er es vermutlich nicht verstanden. Nicht jeder spricht deutsch.

Foto: Immer nur einspurig befahrbar, der Kanal von Korinth.

Ohne Stopp ging es weiter, ohne Wind auch. Nur den letzten halben Tag vor der Ausfahrt aus dem Golf fing es plötzlich an, mit 25 bis 30 Knoten von vorn zu blasen und es baute sich eine kurze Welle auf. Musste das genau vor der Nacht sein und noch dazu mit Steffie ohne Seekrankheitsmittel? Also Scopoderm-Pflaster drauf und einige Stunden später war dann auch Steffie wieder einsatzfähig für die Nachtwache. Kurz vor der Autobahnbrücke war es dann aber vorbei und wir konnten bei ruhigem Wetter passieren. Es ist schon immer ein komisches Gefühl, unter einer Brücke durchzufahren. Selbst wenn noch 10 m Luft zwischen Mastspitze und Brücke sind, sieht es aus, als würde man am Stahl kratzen.

Abends erreichten wir Paxos. In der schönen Ankerbucht in Lakka wollten wir unsere Umrundung feiern, dort hätten sich unsere Wege das erste Mal wieder gekreuzt. Doch herrliches Mittelmeer, wie könnte es auch anders sein. Der Anker schon zum Ankerlassen bereit steuern wir in die Bucht und gleich wieder heraus. Es waren noch mehr Boote dort als im August 2005, keine Chance für einen Ankerplatz. Enttäuscht fuhren wir ans Festland, um dort eine laut Segelführer schöne Ankerbucht aufzusuchen. Doch die dort angegebenen Tiefen fanden wir nicht bzw. viel weiter an Land als angegeben. Für uns nur mit viel Mühe zum Ankern geeignet - und darauf hatten wir, es war jetzt schon 9 Uhr abends, keine Lust. Wir entschieden uns, direkt nach Korfu in die Marina Gouvia zu gehen. Die Marina lässt sich auch nachts anlaufen und auf erneute Ankerplätze, die dann nicht halten, was sie versprechen, waren wir nicht scharf. Wir wollten einfach nur gut schlafen. Wären wir doch langsamer gefahren. Da wir um 23.50 Uhr einliefen, sah man sich gezwungen, uns noch den gesamten Tag Liegegebühr zu berechnen. Zu allem Überfluss machte der zum Schiffsausrüster radelnde Alfred engere Bekanntschaft mit dem Pier, resultierend aus zu hoher Geschwindigkeit und einem unglücklich platzierten Wasserschlauch, und zog sich dabei großflächige Schürfwunden zu. Die Geister waren also nicht auf unserer Seite. Besser so schnell wie möglich hoch mit den Flaggen der von uns besuchten Länder, runter mit dem Schampus als Belohnung zur abgeschlossenen Weltumsegelung und ab nach Hause.

Foto: Abendstimmung über der Marina Piskera im Kornati Nationalpark. Könnte es sein, dass die hohen Preise die Segler mehr nach Griechenland treiben? Wir fanden es jedenfalls weniger überfüllt als vor drei Jahren.

Dazwischen lag nur noch Kroatien. Es ist immer noch ein sehr schönes Segelrevier. Nur die fast unverschämt hohen Preise trüben das Bild deutlich. Vier Stopps schienen uns genug: einer zum Einklarieren in Cavtat, der zweite in Piskera in den Kornaten, wo wir unseren neuseeländischen Freund Phil mit seiner Slam Dunk (also unsere frühere „upsala“) trafen. Das letzte Mal hatten wir uns vor einem Jahr auf der anderen Seite der Erde gesehen, in Neuseeland.

In Ist machten wir nur einen Übernachtungsstopp, da sowieso kein Wind ging; besser ruhig geschlafen als nachtwachenderweise motort. Unser letzter Kroatien-Stopp in Novigrad war quasi ein Nothalt: Es war Fußball-EM-Finale und wir wollten es sehen. In den drei Jahren hatte sich einiges verändert. Die neue Marina wurde endlich gebaut (und wir hatten mit Glück noch einen Liegeplatz erhalten), unser Lieblingscafe am Wasser war doppelt so groß und es waren viel mehr Boote da als früher. Aber das Essen im Restaurant Mandrac war so ordentlich wie wir es von früher kannten und tröstete uns über das verlorene Spiel hinweg. Da es aber nichts zu feiern gab und wir so ohne Kopfweh morgens aufwachten, fuhren wir gleich nach dem Ausklarieren zurück nach Italien.

Foto: Einfahrt in die Marina Hannibal, knapp 3 Jahre nach unserem Auslaufen.

Monfalcone grüßte uns mit seinen hohen Schornsteinen und den in Bau oder Refit befindlichen Kreuzfahrtschiffen der Werft Fincantieri. Die selben Marinamitarbeiter, die uns vor drei Jahren beim Ablegen halfen, nahmen unsere Leinen entgegen. Uns kam es vor, als seien wir von einem Kurztrip nach Kroatien zurückgekehrt. Alles war beim Alten, die gleiche Bedienung in der Bar, das super Essen in der Marina-Kantine und immer noch kein Internet.

 

 

Foto: Was soll das denn?, dachten sich so manche Passanten, als sie die „Verena“ so beflaggt in Korfu liegen sahen. Die meisten vermuteten ein Geburtstagskind an Bord. Keiner kam auf die Idee, dass wir unsere Weltumsegelung feierten. 

Foto: Sogar der Stromkasten bekommt eine blaue Umrandung.